Freitag, 11. März 2016

Gedichte, Texte und Malerei von Michael Blümel

Gedichte, Texte und Malerei  von Michael Blümel







treck in trance II

 

sie kommen mit den höllischen fluten einer verdrehten welt dantes,

begleitet von zersplitterten hoffnungen & internationalen totengesängen,

(nichts als gedankenloses speichelvergeudetes & antrainiertes gelaber)

getragen von den zitternden flügeln ihres glaubens,

der ihnen kondome verweigert & undichte gummiboote erlaubt.

 

das da keine bajonette ihren empfang bescheinigen,

soweit zu gehen, grenzt nicht an ein wunder,

ist vielmehr hochdotierten expertenmeinungen & unzeitgemäßer begründungen

                                                                                                        zu verdanken.

allesamt von denen sitzen mit reinweißen hemden in trockenen    hochsicherheitszonen, immens wichtigen firmen, sanierten regierungsgebäuden,    geldfressenden bunkern, wo gähnende pförtner, unterbezahlte wachmannschaften & ferngesteuerte überwachungskameras alibigedanken verkörpern.

 

kollateralschäden en masse,

meilenweite strandabschnitte mit überlebensmüll,

einsam aufgedunsenen kindern - xxxl-formate,

verlassene, in den landungssand eingesickerte gesichter,

schnell vergessene, die sprachen, lachten, sangen, weinten, küssten,

danach nur noch einen wert für blaue müllsäcke haben.

scheiss drauf! kollateralschäden müsse man eben einplanen,

so wie all die lebloslebenden, zu monstern getauften seelen.

 

sah neulich eine gut abgeschirmte politikerin –

offiziell wegen der sonneneinstrahlung –

mit nassen füßen & hochgekrempelten hosenbeinen,

kleine schritte tippelnd, eine pflaume auf glatteis, museumsreife geisha,

zusammengesetzt aus gei (, kunst oder künste) & sha (, person),

zwecks einweihung eines kinderschwimmbeckens – chapeau!

& das ohne rettungsweste.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

pferdemarkt

 

morgens, unweit eines gartens mit gesenkten blumenhäuptern,

beim erfurchtsvollen betreten des alten kopfsteinpflasters,

auf dem schon eduard mörike (torkelnd vor liebeschwüre & glückseligkeit)

mit seinem petrefaktenhammer tanzte,

dem gottesdienst & den fliehenden nebelschwaden -

nichts als bigotter singsang - entfloh.

 

in einer beschaulich-erbaulichen kurstadt,

(wie heiser & kleinlaut heute die marktschreier sind)

allseits klappernde gebisse, zischlaute durch gepflegte zahnlücken,

unersättliche fressgeräusche, das unruhige wiehern,

hintersinnige schaben mit den hufen,

kurzatmige keuchen,

wilder & drängelnder galopp.

 

doch sinds die schwätzenden menschen mitsamt ihrer ps-stärken,

denen dies ureigen ist – genuin sozusagen,

während die stoischen pferde - selbst kaum wahrnehmbar,

vor historischen wagen & in anderen transportvehikeln,

bis zu ihren kleinkarierten zirkusnummern ausharren müssen.

so viele kosmetisch-kaschierte scherenschleifer & scheinheilige,

ein künstlicher nimbus nach dem anderen,

nicht einmal abseits des gestanks,

auf einem dauergrinsenden huffladenteppich, der auch pferdeäpfel aufnimmt,

(kleider machen nicht immer leute)

guten gewissens, darf ich das behaupten,

zumal sie mir allesamt einverleibt sind,

vom sehen, hören, riechen, schnuppern,

von zweigesichtigen gesprächen,

hinter vorgehaltenen händen,

an eingeschworenen nebentischen – verdeckt von cappuccinoschaum & masken,

selten en face.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

irgendwo an einer grenze

 

irgendwo, zwischen beanspruchtem niemandsland, ex-minengürtel,

partizipierender neustaaterei, manifester prahlerei, verkappter rollenspiele,

                                                                              geschälter megafonworte,

spielt ein kind (geschluckt von erwachsenenklamotten) mit metallenen dornen.

ausgefranste vogelscheuche mit finsterem blick,

wildes wesen eines anderen sterns, einer welt dieseitigen tods,

„ihr abschaum! die pest soll euch alle holen“,

dumpfes gepoltere eines martialischen juggernauts,

der seine trainingseinheiten in call-of-duty-welten absolviert

& tränengas nähersteht, als den aneinandergeketteten, frierenden, hilflosen körpern.

 

„alle verantwortungslosen politiker an die fronten dieser welt!

damit sie mit eigenen augen sähen, an ihren kaltherzigen körpern spürten,

was ihre gedankenlosen entscheidungen für leidvolle ergebnisse verursachen!“,

sagte ein an der see großgewordener, pensionierter lehrer jüdischer herkunft,

ein mann in der brandung,

schon im schuldienst aneckend, an spitzen, kanten engstirniger vorschriften & kollegialer köpfe, den kein sturm umhauen kann, dachte er früher.

 

nutzt nichts, mein lieber freund,

(hab dank für das städtische denkmal für die deportierten,

nach so vielen jahren)

die kleinen hände bluten schon längst,

keine schreie, nicht ein hilferuf.

lange dauert es, bis das pulsierende blut vor einer mullbinde kapituliert,

emotionen & hass für kurze zeit ins nirgendwo schießen,

an gepanzerten fahrzeugen abprallen,

juggernauts ihre plumpen köpfe drehn, in sich selbst verkriechen,

ganz tief hinein – die hohlen michelin-männchen -

unter die schichten, damit nur ja kein anzeichen von mitleid

nach draußen dringt.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zwei tage vor einer wahl

 

stets an den besten plätzen,

in sichtweite einflussnehmender signets,

sieht man privilegierte fettbackige köpfe,

     manipulierte parteikinder bürgerferner internate,

     gewaschene hirnrinden, dauerlächelnde zöglinge,

     instabile meinungsdreher, mehrfach-schraubengewinde,

     lachende masken à la victor hugo,

     parteienerzogene, versaute marionetten,

     mitsamt sichtbarer fäden & trainer,

über denen märchenhafte parolen thronen,

deren tage programmierte berater (leider keine narren),

von vornherein an ihren klebrigen fingern abzählten.

 

& wir?

tölpel, bauern, kreuzekritzler,

manchmal auch abschaum,

je nach wetterlage, laune, windrichtung,

dürfen den parzellierten garten ernten,

     mit geschälter sonntagsmontur,

     reinem bürgergewissen, unserer abgesteckten pflicht bwusst,

     idealerweise nach der frühmesse,

     im angesicht des betenden & singenden favoriten,

zuerst die überzüchteten glänzenden tomaten,

dann die karotten mitsamt petersilie,

                                                         (wir blöden rüben).

     die krummen gurken

     & scharfen radieschen (lat. radix ‚wurzel')

bitte strikt links liegenlassen,

entsprechend demokratisch-fairer prinzipien

& unvorteilhaft angeordneter,

zerstörter plakate.

 

 
 
 
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Copyright: Michael Blümel

 

 

 

 

 

 

 

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