Freitag, 28. Oktober 2011

"Der Kranich" von Nikolaus Lenau - Zuversicht und metaphysischer Trost

 Reiher über den Dingen








Stoppelfeld






Der Kranich

Stoppelfeld, die Wälder leer,
Und es irrt der Wind verlassen,
Weil kein Laub zu finden mehr,
Rauschend seinen Gruß zu fassen.

Kranich scheidet von der Flur,
Von der kühlen, lebensmüden,
Freudig ruft ers, daß die Spur
Er gefunden nach dem Süden.

Mitten durch den Herbstesfrost
Schickt der Lenz aus fernen Landen
Dem Zugvogel seinen Trost,
Heimlich mit ihm einverstanden.

O wie mag dem Vogel sein,
Wenn ihm durch das Nebeldüster
Zückt ins Herz der warme Schein
Und das ferne Waldgeflüster!

Hoch im Fluge übers Meer
Stärket ihn der Duft der Auen;
O wie süß empfindet er
Ahndung, Sehnsucht und Vertrauen!

Nebel auf die Stoppeln taut;
Dürr der Wald; - ich duld es gerne,
Seit gegeben seinen Laut
Kranich, wandernd in die Ferne.

Hab ich gleich, als ich so sacht
Durch die Stoppeln hingeschritten,
Aller Sensen auch gedacht,
Die ins Leben mir geschnitten;

Hab ich gleich am dürren Strauch
Andres Welk bedauern müssen,
Als das Laub, vom Windeshauch
Aufgewirbelt mir zu Füßen:

Aber ohne Gram und Groll
Blick ich nach den Freudengrüften,
Denn das Herz im Busen scholl,
Wie der Vogel in den Lüften;

Ja, das Herz in meiner Brust
Ist dem Kranich gleich geartet,
Und ihm ist das Land bewußt,
Wo mein Frühling mich erwartet.



Lenaus bedeutendes Gedicht verweist darauf: Der Kranich ist ein wichtiges Thema der Kulturgeschichte mit hoher Symbolkraft in verschiedenen Kulturen und Zeiten,
vergleiche dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kraniche

 




Einsamkeit

 





Wer offenen Auges durch die Welt schreitet, wird manches entdecken, was die Natur an Schönheiten bereit hält, gerade im Herbst, wo Vergänglichkeit und Wiedergeburt im Widerstreit liegen.
Einiges verabschiedet sich, um den kalten Winter zu überstehen,
andererseits regt sich bereits jetzt neues Leben, entschlossen Schnee und Kälte zu trotzen.




Einsamer Baum am See




Werden und Vergehen in eigener Ästehtik




Mir unbekannte Pilze bevölkern Baumstumpf





Rätselhafte Pilzkultur - sie sehen aus wie kleine Quallen,
eine Art Gallertpilze?
In der Welt der Pilze wartet manche Überraschung,
Potenzial für Neuentdeckungen.




Am Teich





Ameisenhaufen - pulsierendes Leben, millionenfach





Hecke am Waldrand





Zwei kleine, weiße Schnecken im Schlaraffenland. Sie fressen sich durch den opulenten Steinpilz ebenso wie durch die hochgiftigen Knollenblätterpilze.




Akazien, die Bäume meiner Kindheit im Banat, am Seeufer.





Birkenwald - er ist selten geworden.





Natürlicher Zerfall - in wenigen Jahren wird aus Holz kostbarer Humus.






Abendstimmung am See




Im Lebensraum des Rohrsängers





Am See


Mehr über

Nikolaus Lenau
unter

 
 
Interpretationen zur Dichtung Lenaus in meinem Werk:







Carl Gibson,
Lenau. Leben - Werk - Wirkung.
Heidelberg 1989, 321 Seiten.

Dieses viel zitierte Standardwerk der Lenau-Forschung ist -
laut World Cat Identities und neben einer Studie des Freud Schülers Isidor Sadger über das Liebesleben Nikolaus Lenaus -
das weltweit am meisten verbreitete Werk
über den Spätromantiker und Klassiker der Weltliteratur Nikolaus Lenau .
Der leider viel zu früh verstorbene Germanist und Nietzsche-Forscher Prof. Dr. Theo Meyer erkannte in diesem Werk
"einen Markstein der Lenau-Forschung.
Es ist überhaupt die prägnanteste Lenau-Monographie. es dürfte zum Besten gehören, was über Lenau überhaupt geschrieben worden ist."
Das Werk, das mir, dem Autor bisher noch kein Einkommen generiert hat, wurde in acht Teilauflagen gedruckt.
Die Leinen-Ausgabe ist seit vielen Jahren vergriffen.
Ein Restbestand der kartonierten Ausgabe liegt - ungeachtet anderer Meldungen im Internetbuchhandel - noch vor und kann beim Winter Verlag, Heidelberg bezogen werden.

Trotzdem ist eine grundlegend überarbeitete Neu-Edition dieser Monographie angesagt,
da die Werke und Briefe Lenaus inzwischen in einer historisch-kritischen Ausgabe vorliegen.
Carl Gibson, Werke


 
©Carl Gibson



Fotos: Monika Nickel und Carl Gibson




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