Samstag, 29. Oktober 2011

Lenau: Das dürre Blatt - Mihai Eminescu: Foaia vesteda

















Saatkrähe im Blättermeer




Das dürre Blatt

      
Durchs Fenster kommt ein dürres Blatt,
Vom Wind hereingetrieben;
Dies leichte, off’ne Brieflein hat
Der Tod an mich geschrieben.

Das dürre Blatt bewahr ich mir,
Will’s in die Blätter breiten,
Die ich empfangen einst von ihr;
Es waren schöne Zeiten!

Da draußen steht der Baum so leer;
Wie er sein Blatt im Fluge,
Kennt sie vielleicht ihr Blatt nicht mehr,
Trotz ihrem Namenszuge.

Der toten Liebe Worte flehn,
Daß ich auch sie vernichte,
Wie festgehaltne Lügner stehn
Sie mir im Angesichte.

Doch will ich nicht dem holden Wahn
Den Wurf in‘s Feuer gönnen;
Die Worte sehn mich traurig an,
Daß sie nicht sterben können.

Ich halte fest, zu bittrer Lust,
Was all mein Glück gewesen,
In meinen schmerzlichen Verlust
Will ich zurück mich lesen.

Das dürre Blatt leg ich dazu,
Des Todes milde Kunde,
Daß jedes Leiden findet Ruh,
Und Heilung jede Wunde.



Ginko-Blatt im Herbstwind


Mihai Eminescu

Foaia vesteda

(dupa N. Lenau)

Vintu- o foaie vestejeta
Mi-au adus miscind fereastra -
Este moartea ce-mi trimite
Fara plic scrisoarea aceasta.

Voi pastra-o, voi intinde-o
Intre foile acele,
Cele am din alte timpuri
de la mina dragei mele.

Cum copacu-si uita foia
Ce pe vint mi-a fost trimisa
Astfel ea uitat-au poate
Aste foi de dinsa scrise.

Vorbele iubirii moarte
Vinovate-mi stau de fata,
Dovedite de minciuna
Cer sa sting a lor viata.

Dulcea lor zadarnicie
Nu ma-ndur s-o pun pe foc
desi-mi stau atit de triste
Ca nu pot muri pe loc.

Voi pastra intreg amarul
Si norocul astor foi,
In durerea vechii pierderi
Recitindu-ma napoi.

Numai vestea blind-a mortii,
Foaia trista le-am adaos:
Moartea vindec - orice rana,
Dind la patine repaos.

(1879, 1 octombrie)

Mihai Eminescu, der Nationaldichter der Rumänen, ein Wahlverwandter Lenaus, tief melancholisch fühlend und oft pessimistisch ausgerichtet, hat Lenaus Poem kongenial nachgedichtet.



Mehr über

Nikolaus Lenau
unter



Interpretationen zur Dichtung Lenaus in meinem Werk:







Carl Gibson, Lenau. Leben - Werk - Wirkung.
Heidelberg 1989, 321 Seiten.

Dieses viel zitierte Standardwerk der Lenau-Forschung ist -
laut World Cat Identities und neben einer Studie des Freud Schülers Isidor Sadger über das Liebesleben Nikolaus Lenaus -
das weltweit am meisten verbreitete Werk über den Spätromantiker und Klassiker der Weltliteratur Nikolaus Lenau .
Der leider viel zu früh verstorbene Germanist und Nietzsche-Forscher Prof. Dr. Theo Meyer erkannte in diesem Werk
"einen Markstein der Lenau-Forschung.
Es ist überhaupt die prägnanteste Lenau-Monographie. es dürfte zum Besten gehören, was über Lenau überhaupt geschrieben worden ist."
Das Werk, das mir, dem Autor bisher noch kein Einkommen generiert hat, wurde in acht Teilauflagen gedruckt. Die Leinen-Ausgabe ist seit vielen Jahren vergriffen. Ein Restbestand der kartonierten Ausgabe liegt - ungeachtet anderer Meldungen im Internetbuchhandel - noch vor und kann beim Winter Verlag, Heidelberg bezogen werden.

Trotzdem ist eine grundlegend überarbeitete Neu-Edition dieser Monographie angesagt,
da die Werke und Briefe Lenaus inzwischen in einer historisch-kritischen Ausgabe vorliegen.


Fotos: Carl Gibson

©Carl Gibson


















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