Dienstag, 13. Dezember 2016

Die Russland-Deutschen – fünfte Kolonne Moskaus? Über den deutsch-russischen Medienkrieg in unfairer Auseinandersetzung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Die Russland-Deutschen – fünfte Kolonne Moskaus? Über den deutsch-russischen Medienkrieg in unfairer Auseinandersetzung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Bekanntlich geht der Propaganda-Krieg dem echten Krieg voraus!

Als Medien-Krieg und im Internet!?

Der wieder erwachte Kalte Krieg wird zunehmend heißer, gespickt mit Demagogie und Schuldzuweisungen aller Art, unprofessionell ausgetragen und dilettantisch inszeniert von „Journalisten“, die selbst das Reißerische über die Fakten stellen und so eine Debatte anheizen, die eigentlich abgekühlt werden sollte.

Deutsche und Russen, die sich eine politisch-militärische Gegnerschaft schon aus existenziellen Gründen überhaupt nicht leisten können steuern gerade auf eine unselige Konfrontation zu, die außenpolitisch irritiert, Diskrepanzen schafft, die aber auch innenpolitisch polarisiert und neue Gräben aufreißt – wie jüngst in einer unverantwortlichen, schlecht gemachten ARD[1]-Sendung des MDR, in welcher – nolens volens – die
die Russland-Deutschen als fünfte Kolonne Moskaus
ausgemacht werden.

Der Bericht,

den ich, angelockt durch die reißerische Aufmachung im Untertitel
Putins unerklärter Kampf gegen den Westen
voller Erwartung verfolgte
entpuppte sich als übles Machwerk, als eine Enttäuschung auf breiter Front, außenpolitisch,
weil in der halben Stunde nichts Konkretes zum bombastisch inszenierten Sujet zu erfahren war, speziell zu Putins Rolle, Steuerung, Befehle etc.

Noch gravierender hingegen war die innenpolitische Un-Sensibilität, namentlich die verheerende, stigmatisierende, Menschen in die Ecke stellende Botschaft, Russland-Deutsche betätigten sich als Handlanger Putins, destabilisierten Deutschland als potenzielle und aktive Wähler der AfD.

Die fünfte Kolonne Moskaus in Wühlarbeit am Werk?

Nachdem die forcierte Nobelpreisträgerin für Literatur Herta Müller, die jüngst gegen Putin hetzt, [2]und das auch noch mit Beiträgen, die sich nicht selbst verfasst hat, Monate vor der kontrovers diskutierten Ehrung in Stockholm mit der Aussage
Die Verleumdung gehört zum Brauchtum der Banater Schwaben“
im ZEIT-Magazin (Nr.31, Juli 2009) bereits eine deutsche Volksgruppe an den Pranger gestellt hatte, was mich seinerzeit veranlasste, Bundespräsident Horst Köhler im Protest[3] die Frage stellen:

Darf gegen Teile des deutschen Volkes gehetzt werden, verehrter Herr Bundespräsident?“,

wird nun diese verhängnisvolle Tradition fortgesetzt, indem – indirekt - die Gruppe der Russlanddeutschen in die gleiche Ecke gestellt wird – quasi als innere Feinde Deutschlands.

Ein angeblicher Handlanger der Russen und des Kreml wird in dem Bericht vorgestellt, mit seinem Netzwerk, einem Konvent der Russlanddeutschen und mit der explizit erklärten Absicht, die Protest-Partei AfD aktiv und in der Wahl stützen zu wollen.
Doch steht diese Minderheit – von angeblich einigen tausend Personen – für alle Russland-Deutschen in diesem Land?

Wurden sie alle einmal öffentlich als fünfte Kolonne Moskaus ausgemacht, denunziert, dann werden auch alle Russland-Deutschen mit den negativen Auswirkungen in der Gesellschaft rechnen und leben müssen!

Das ist unfair!
Das ist de facto „rassistisch“!

Wohlgemerkt: Der Rechtspopulist Wilder wurde in Holland verurteilt, aber nicht bestraft, weil er mit dem Begriff „Marokkaner“ sozialen Unfrieden provoziert hatte!

Wie legitim ist also das an den Pranger stellen der Russlanddeutschen oder der Banater Schwaben?

Ist das politisch korrekt?
Ist das sozial empathisch, politisch sensibel?
Fördert das die Integration der Neubürger?

Oder ist es nur viel Wasser auf die Mühlenräder der russischen Propaganda, die früher oder später zurückschlagen wird?

Die kritische Auseinandersetzung mit Putins Machtpolitik sollte ausschließlich auf der Grundlage von Fakten[4] erfolgen, unabhängig von ideologischer oder parteipolitischer Einbindung.

Gegenproduktiv jedoch ist, wenn der der offensichtlichen Propaganda Russlands, die da ist und nicht nur bei „Verschwörungstheoretikern[5] Weiterverbreitung findet, mit stümperhaften Berichten begegnet wird, die die innere Spaltung in Deutschland noch mehr ausweiten.

Man fragt sich, ob die Akteure der deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik und jene des Bundesverfassungsschutzes wissen, was sie tun, wenn sie bei tendenziösen, höchst unsensiblen Berichten dieser Art mitwirken.




[1] Auf dem Info-Kanal Phoenix wiederholt und erste dort von mir im Dezember 2016 rezipiert.

[2] Details im Internet auf meinen Blogs sowie in: „Quo vadis, Germania, wohin steuert Europa, 2015.

[3] DIE ZEIT-Online hat meine Intervention seinerzeit gestrichen.

[4] Ohne einem politischen Lager anzugehören, erfolgt meine kritische Auseinandersetzung mit der russischen, amerikanischen und türkischen Machtpolitik u. a. in: „Quo vadis, Germania, wohin steuert Europa, 2015.

[5] In der deutschen Öffentlichkeit gibt es immer wieder Bestrebungen, kritische Köpfe, die politische Missstände anprangern und auf das Fehlverhalten vieler Politiker hinweisen, in die Ecke der Verschwörungstheoretiker zu rücken, ohne Auseinandersetzung mit berechtigten Argumenten und Fakten. Die Politiker selbst sind die Begründer des Postfaktischen, indem sie als Träger des Phänomens der Lüge Prioritär vor der Wahrheit einräumen und die Lüge zur Regel in der Gesellschaft erheben. (Vgl. dazu meinen Kurzessay: Das Postfaktische, publiziert im Netz auf diesem Blog.)








Wer einen System-Zögling angreift,
ein deutsches Politikum, das eigentlich keines ist,
zunächst in literaturwissenschaftlicher Debatte,
wird - über die Werte-Diskussion -
notwendigerweise zum

Zeit-Beobachter,
zum Zeit-Analytiker,
zum Zeitkritiker

und letztendlich
zum
Systemkritiker.

Ergo verdirbt er es sich gänzlich mit der Macht - und katapultiert sich selbst ins Abseits!
Dort, in der Ecke, ist er endlich frei!









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