Mittwoch, 8. Juni 2011

Kleine Geschichte der Einsamkeit und Melancholie in Literatur und Philosophie - Carl Gibson: Koryphäen der Einsamkeit und Melancholie in Philosophie und Dichtung aus Antike, Renaissance und Moderne, von Ovid und Seneca zu Schopenhauer, Lenau und Nietzsche - demnächst auf dem Buchmarkt und im Buchhandel

Der bisher an dieser Stelle veröffentlichte Beitrag wurde fünf Jahre lang der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die neue, überarbeitete Text-Fassung ist in dem inzwischen abgeschlossenen Werk enthalten.

Das 521 Seiten umfassende Buch liegt seit dem 20 Juli 2015 vor:
unter dem Titel:


Carl Gibson

Koryphäen
der
Einsamkeit und Melancholie
in
Philosophie und Dichtung
aus Antike, Renaissance und Moderne,
von Ovid und Seneca
zu Schopenhauer, Lenau und Nietzsche



Motivik europäischer Geistesgeschichte und anthropologische Phänomenbeschreibung – Existenzmodell „Einsamkeit“ als „conditio sine qua non“ geistig-künstlerischen Schaffens

Mit Beiträgen zu:

Epikur, Cicero, Augustinus, Petrarca, Meister Eckhart, Heinrich Seuse, Ficino, Pico della Mirandola, Lorenzo de’ Medici, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Savonarola, Robert Burton, Montaigne, Jean-Jacques Rousseau, Chamfort, J. G. Zimmermann, Kant, Jaspers und Heidegger,

dargestellt in Aufsätzen, Interpretationen und wissenschaftlichen Essays

1. Auflage, Juli 2015

Copyright © Carl Gibson 2015

Bad Mergentheim
Alle Rechte vorbehalten.

ISBN: 978-3-00-049939-5



Aus der Reihe:
Schriften zur Literatur, Philosophie, Geistesgeschichte
und Kritisches zum Zeitgeschehen. Bd. 2, 2015



Herausgegeben vom
Institut zur Aufklärung und Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa, Bad Mergentheim



Bestellungen direkt beim Autor Carl Gibson,

oder regulär über den Buchhandel.

(Der Preis beträgt 54,9 Euro.)

Inhalt des Buches: 

Carl Gibson

Koryphäen
der
Einsamkeit und Melancholie
in
Philosophie und Dichtung
aus Antike, Renaissance und Moderne,
von Ovid und Seneca


zu Schopenhauer, Lenau und Nietzsche

Carl Gibson

Koryphäen
der
Einsamkeit und Melancholie
in
Philosophie und Dichtung
aus Antike, Renaissance und Moderne,
von Ovid und Seneca
zu Schopenhauer, Lenau und Nietzsche





Das 521 Seiten umfassende Buch ist am 20 Juli 2015 erschienen. 

Carl Gibson

Koryphäen
der
Einsamkeit und Melancholie
in
Philosophie und Dichtung
aus Antike, Renaissance und Moderne,
von Ovid und Seneca
zu Schopenhauer, Lenau und Nietzsche


Motivik europäischer Geistesgeschichte und anthropologische Phänomenbeschreibung – Existenzmodell „Einsamkeit“ als „conditio sine qua non“ geistig-künstlerischen Schaffens


Mit Beiträgen zu:

Epikur, Cicero, Augustinus, Petrarca, Meister Eckhart, Heinrich Seuse, Ficino, Pico della Mirandola, Lorenzo de’ Medici, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Savonarola, Robert Burton, Montaigne, Jean-Jacques Rousseau, Chamfort, J. G. Zimmermann, Kant, Jaspers und Heidegger,


dargestellt in Aufsätzen, Interpretationen und wissenschaftlichen Essays

1. Auflage, Juli 2015
Copyright © Carl Gibson 2015
Bad Mergentheim

Alle Rechte vorbehalten.


ISBN: 978-3-00-049939-5


Aus der Reihe:

Schriften zur Literatur, Philosophie, Geistesgeschichte
und Kritisches zum Zeitgeschehen. Bd. 2, 2015

Herausgegeben vom
Institut zur Aufklärung und Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa, Bad Mergentheim


Bestellungen direkt beim Autor Carl Gibson,

Email: carlgibsongermany@gmail.com

-         oder regulär über den Buchhandel.

„Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit!“ – Das verkündet Friedrich Nietzsche in seinem „Zarathustra“ als einer der Einsamsten überhaupt aus der langen Reihe illustrer Melancholiker seit der Antike. Einsamkeit – Segen oder Fluch?

Nach Aristoteles, Thomas von Aquin und Savonarola ist das „zoon politikon“ Mensch nicht für ein Leben in Einsamkeit bestimmt – nur Gott oder der Teufel könnten in Einsamkeit existieren. Andere Koryphäen und Apologeten des Lebens in Abgeschiedenheit und Zurückgezogenheit werden in der Einsamkeit die Schaffensbedingung des schöpferischen Menschen schlechthin erkennen, Dichter, Maler, Komponisten, selbst Staatsmänner und Monarchen wie Friedrich der Große oder Erz-Melancholiker Ludwig II. von Bayern – Sie alle werden das einsame Leben als Form der Selbstbestimmung und Freiheit in den Himmel heben, nicht anders als seinerzeit die Renaissance-Genies Michelangelo und Leonardo da Vinci.

Alle großen Leidenschaften entstehen in der Einsamkeit, postuliert der Vordenker der Französischen Revolution, Jean-Jacques Rousseau, das Massen-Dasein genauso ablehnend wie mancher solitäre Denker in zwei Jahrtausenden, beginnend mit Vorsokratikern wie Empedokles oder Demokrit bis hin zu Martin Heidegger, der das Sein in der Uneigentlichkeit als eine dem modernen Menschen nicht angemessene Lebensform geißelt. Ovid und Seneca verfassten große Werke der Weltliteratur isoliert in der Verbannung. Petrarca lebte viele Jahre seiner Schaffenszeit einsam bei Avignon in der Provence. Selbst Montaigne verschwand für zehn Jahre in seinem Turm, um, lange nach dem stoischen Weltenlenker Mark Aurel, zum Selbst zu gelangen und aus frei gewählter Einsamkeit heraus zu wirken.

Weshalb zog es geniale Menschen in die Einsamkeit? Waren alle Genies Melancholiker? Wer ist zur Melancholie gestimmt, disponiert? Was bedingt ein Leben in Einsamkeit überhauptWelche Typen bringt die Einsamkeit hervor? Was treibt uns in die neue Einsamkeit? Weshalb leben wir heute in einer anonymen Single-Gesellschaft? Wer entscheidet über ein leidvolles Los im unfreiwilligen Alleinsein, in Vereinsamung und Depression oder über ein erfülltes, glückliches Dasein in trauter Zweisamkeit? Das sind existenzbestimmende Fragen, die über unser alltägliches Wohl und Wehe entscheiden. Große Geister, Dichter, Philosophen von Rang, haben darauf geantwortet – richtungweisend für Gleichgesinnte in ähnlicher Existenzlage, aber auch gültig für den Normalsterblichen, der in verfahrener Situation nach Lösungen und Auswegen sucht. Dieses Buch zielt auf das Verstehen der anthropologischen Phänomene und Grunderfahrungen Einsamkeit, Vereinsamung, Melancholie und Acedia im hermeneutischen Prozess als Voraussetzung ihrer Bewältigung. Erkenntnisse einer langen Phänomen-Geschichte können so von unmittelbar Betroffenen existentiell umgesetzt werden und auch in die „Therapie“ einfließen.

Carl Gibson, Praktizierender Philosoph, Literaturwissenschaftler, Zeitkritiker, zwölf Buchveröffentlichungen. Hauptwerke: Lenau. Leben – Werk – Wirkung. Heidelberg 1989, Symphonie der Freiheit, 2008, Allein in der Revolte, 2013, Die Zeit der Chamäleons, 2014.

ISBN: 978-3-00-049939-5


Inhalt:


Einleitung: „Einsamkeit“ heute – Segen oder Fluch?6
Der Mensch der Single-Gesellschaft – Leben im uneigentlichen Sein?6

Teil I: Griechisch-römische Antike12

1. Waren die heiteren Griechen auch einsam? Das Verständnis von Einsamkeit und Melancholie bei Vorsokratikern und Aristoteles. 12
1.2. Der Melancholiker – ein Genie? - Empedokles, Demokrit und eine nicht authentische, missverstandene Aristoteles-Sentenz  13
1.3. Im Garten des Epikur – Lebe zurückgezogen! Das naturgemäße Leben im Verborgenen. 18
2. Marcus Tullius Cicero - Einsamkeit und Gesellschaft: Musischer Rückzug in den ruhigen Hafen – „otio“ - „Gespräche in Tusculum“  22
3. Ovidius Naso in Verbannung in Tomis, am Schwarzen Meer – Vereinsamung und Melancholie im Spätwerk, in den Elegien „Tristia“ und in den Briefen „Epistulae ex Ponto“. 26
3. 1. „einsam lieg’ ich am Strande des äußersten Endes der Erde“ - Zur Einsamkeit verdammt am Ende der Welt: Ovids melancholische Dichtung vom Pontus26
3. 2. Nemo propheta in patria?32
3. 3. Kummer, „aegritudo“, „mania“, „melankolia“ in Ciceros „Disputationes Tusculanae“ - Bellerophon, der antike Einsame, Unbehauste; Einsamkeit und Melancholie in der mythisch-analytischen Zeitdiskussion. 35
3. 4. Psychosomatik40
3. 5. Das „Schwarze Meer“ und „Tomis“ – antike Unort(e)?43
3. 6. Künstlerisches Schaffen in Einsamkeit an sich und als Selbsttherapie  47
3. 7. Melancholie und Versöhnung – Concordia und Amor fati 54
4. Lucius Annäus Seneca - Lebe zurückgezogen - „solitudine“ und „in otio“  57
4. 1. „exsilium“, Senecas Verbannung auf Korsika – Unfreiwillige, äußere Einsamkeit und innere Freiheit, dargestellt im „Epigramm“  58
4. 2. Existenzbewältigung über Poesie bei Ovid und ethisches Philosophieren bei Seneca  63
4. 3. Ruhe der Einsamkeit - Apathie, Ataraxie, Eudämonie, „constantia“64
4. 4. „De constantia sapientis“ – Die „Unerschütterlichkeit des Weisen“66
4. 5. „Jeglicher Ort ist für den Weisen Heimatland.“ – Oder: „Patria est, ubicumque est bene“  68
4. 6. Senecas Klage als Anklage – Gesellschaftskritik und Dekadenz-Kritik aus der Einsamkeit des Exils heraus in der Auseinandersetzung mit den Tyrannen Caligula und Nero74
4. 7. „De otio“ – Von der „Zurückgezogenheit“; Zwischen stiller Muße (otio) und hektischer Geschäftigkeit (negotio) 77
4. 8. In „secreto“ – „Menschen (…) leisten in der Einsamkeit Größtes“- Ethische Haltung und Charakterbildung entstehen in der Stille der „Zurückgezogenheit“. Die Funktionen des einsamen Lebens und der Nutzen für die Gesellschaft 77
4. 9. Selbsterkenntnis und die Idee des Selbstseins erwachsen dem Alleinsein - Das Existieren in der Eigentlichkeit. Psychologische und soziologische Aspekte erfahrener Einsamkeit 81
4. 10. Die Gefahren des Alleinseins – Einsamkeit als Last 83
4. 11. Das Alleinsein in den eigenen vier Wänden – Chance und Risiko. Freiwilliger Rückzug in die Einsamkeit, statt Weltflucht aus Enttäuschung und Überdruss84
4. 12. Typen und Charaktere – introvertiert oder extrovertiert? Senecas Beschreibung der Melancholie-Symptomatik  86
4. 13. Geselligkeit – Senecas Plädoyer für ein ausgewogenes Wechselverhältnis zwischen freiwilligem Sein in Einsamkeit und sozialem Austausch  90
4. 14. Schöpferische Einsamkeit - Medium des Kreativen91
4. 15. Die Apotheose des einsam-kontemplativen Lebens in der Schrift „De brevitate vitae“, „Die Kürze des Lebens“  93
4. 16. Im „Jetzt“ leben, nicht erst morgen und am Leben vorbei! Hic et nunc und Memento mori! 95
4. 17. Der ruhige Hafen als Endziel - Individuelles Leben oder Massen-Existenz?  97
5. Mark Aurel - Der Weg zum Selbst in Zurückgezogenheit 99
5. 1. Gelebter Stoizismus als Vorbild101
5.2. „Alleinsein“ bei Epiktet – Individualität und Selbsterkenntnis101

Teil II: Vom frühen Mittelalter bis zur Scholastik103

1. „Einsamkeit“ und „Melancholie“ im frühen Mittelalter. Anachoreten im frühen Christentum - „anachoresis“ und „monachoi“. 103
1.1.         Eremitentum und monastisches Leben um 300 – 400 n. Chr. Antonius, (der Ägypter), Evagrius Ponticus und Augustinus: DerWeg zu Gott vollzieht sich in der Einsamkeit 103
1.2. Antonius, der Ägypter – Einsiedlertum, Wüstenspiritualität und Mystik  105
1.3. Aurelius Augustinus in „reiner Einsamkeit“ - „Alleingespräche“ aus Cassiciacum - Früchte des Schaffens in der Einsamkeit des Selbstgesprächs  107
1.4. „Acedia“ seit Evagrius Ponticus, bei Thomas von Aquin und Bonaventura  110
1.5. Die „Wirkscheu“ des Johannes Cassian113
1.6. Thomas von Aquin - Wirkscheu ist Todsünde – Acedia oder „Tristitia“  113
2. Deutsche Mystik115
2.1. Meister Eckhart: Die absolute Freiheit des Gottsuchenden - Der unmittelbare, mystische Weg zu Gott. „Abgeschiedenheit“ und „innerliche Einsamkeit“ neu definiert 115
2.2. In der Abgeschiedenheit – Das Aufgeben des Selbst, das Ledigwerden, als Voraussetzung der Unio mystica und die Gottesgeburt 115
2.3. „innerliche Einsamkeit“ – Zum Wesen der Dinge! 120
2.4. „Unio mystica“ und Buddhismus – Stufen und Wege des Rückzugs aus allgemein philosophischer, christlicher Sicht bzw. aus der Perspektive der Zen-Meditation - Exkurs121
2.5. Heinrich Seuses „Weg in die Innerlichkeit“ und die Beschreibung der Mönchskrankheit (Acedia) in der Schrift „Das Leben des Dieners“  125
2.6. „Das Büchlein der ewigen Weisheit“ - „Wie man innerlich leben soll“, „lautere Abgeschiedenheit“ und Entwerdung (Selbst- bzw. Ich-Auflösung) 129
2.7. Theresa von Avila - „Der Weg zur Vollkommenheit“ und „Die Seelenburg“.

Teil III: Humanismus

1. Francesco Petrarcas Loblieder auf die Einsamkeit. Der zentrale Stellenwert der „Einsamkeit“ im Werk der Humanisten  135
1.1. Zur Vita Petrarcas – Von der Vita activa zur Vita contemplativa im mundus aestheticus  135
1. 2. „De otio et solitudine“ - Von Freiheit (Muße) und Einsamkeit 137
1.3. „De vita solitaria“: Francesco Petrarcas Hymnus in Prosa auf das Leben in Einsamkeit. Die Begründung der Auffassung von der „schöpferischen Einsamkeit” als elitäre Phänomen-Definition139
1.4. „felix solitarius“ contra „miser occupatus“ – besser allein, frei und glücklich als vielbeschäftigt, gestresst und in permanenter Disharmonie – Einsamkeit: die „conditio sine qua non“ einer ethisch fundierten Lebensführung und Existenzbewältigung  141
1.5. Zur Modernität des Existenzmodells „Leben in der Eigentlichkeit“142
1.6. Das schaffende Subjekt … und die Ahnenreihe der Einsamen143
1.7. „Secretum“ – Melancholie und Misanthropie147
1.8. „Gespräche über die Weltverachtung“: Petrarcas negativer Melancholie-Begriff und Dante  148
1.9. Melancholie und Selbst-Therapie – Ist die „unheilvolle“ „Seelenkrankheit“ „Weltschmerz“heilbar?  149
1.10. Dante weist die Muse Melancholie zurück155

Teil IV: Renaissance156

Einsamkeit und Melancholie während der Renaissance in Italien - Die „Saturniker“ des Mediceer-Kreises  156
1. Angelo Poliziano – Der Dichter am Kamin als personifizierte Melancholie und eine Melancholie-Beschreibung im Geist der Zeit. 156
2. Marsilio Ficino – Therapierte Melancholie. Das Bei-sich-Selbst-Sein der Seele führt zu Außergewöhnlichem in Philosophie und Kunst 159
2.1. Marsilio Ficino in freiwilliger Zurückgezogenheit in Carreggi - Einsamkeit als „conditio sine qua non“ des künstlerischen Schaffens  160
2.2. Im Zeichen des Saturn - Marsilio Ficinos Werk, „De vita triplici“, eine Diätetik des saturnischen Menschen. Ficinos astrologisch determinierter, antik physiologischer Melancholie-Begriff. 161
2.3. Definition der Melancholie und des Melancholikers in „Über die Liebe oder Platons Gastmahl“ - Die Liebe als melancholische Krankheit?  163
2.4. Krankheit „Melancholie“ - Therapeutikum Musik166
3. Pico della Mirandolas Entwurf des Renaissancegenies in „De hominis dignitate“ – Von Einsamkeit und Freiheit 167
3.1. Die „dunkle Einsamkeit Gottes“168
3.2. „Die Freiheit des Menschen“ und der „Geniebegriff der Epoche“ in „Oratio“  170
3.3. Die ethisch eingeschränkte Freiheit des Genies und das Humanum als Endziel 172
4. Lorenzo de’ Medicis „melancholische“ Dichtung174
4.1. War der Prächtige ein Melancholiker? Vanitas, Wehmut und Schwermut 175
4.2. Der Typus des „Inamoroso“ als Melancholiker - Liebeslyrik im Sonett 179
4. 3. Melancholia - Lorenzo de’ Medici rezipiert Walter von der Vogelweide  184
5. Die Familie der Melancholiker oder die Metamorphose des sinnenden Geistes zur Plastik und zum Gedicht - Exkurs  186
6. Einsamkeit, Melancholie und künstlerisches Schaffen während der Renaissance in Italien. 189
6.1. Geniale Werke der Einsamkeit bei Michelangelo Buonarroti und Leonardo da Vinci - Einsamkeit als die künstlerische Schaffensbedingung schlechthin, als „conditio sine qua non“ des kreativen Subjekts. 190
6.2. Michelangelo Buonarroti - „Wer kann, wird niemals willig sein.“ – Individuelle Freiheit und künstlerische Selbstbestimmung  190
6.3. Große Kunst ist gottgewollt 192
6.4. Der Schaffende ist das Maß aller Dinge - oder die Lust, mit dem Hammer neue Werte zu schaffen  194
6.5. Weltflucht und Weltverachtung195
6.6. Der sinnende Melancholiker „Micha Ange bonarotanus Florentinus sculptor optimus“  197
6.7. – „La mia allegrezz’ e la maniconia” – “Meine Lust ist die Melancholie!” – Existenzbewältigung im “Amor fati“ oder eine ins Positive transponierte „Melancholie als Mode“?199
6.8. Hypochondrie und Misanthropie in burlesker Entladung – bei Michelangelo und Leonardo  201
6.9. Michelangelos „Sonette“: Kreationen reiner Eitelkeit?211
7. Leonardo da Vinci – Ein Einsamer, aber kein Melancholiker. Die Wertschätzung der „vita solitaria e contemplativa“. 214
7.1. Leonardo und Michelangelo – ein geistesgeschichtlicher Vergleich. Der verbindende Hang zur Einsamkeit … und viele Kontraste! 222
8. Girolamo Savonarola – Der melancholische Reformator vor der Reformation  225
8.1. Gott geweihtes Leben in stiller Einkehr und früher Protest aus der Klosterzelle  230
8. 2. Zeitkritik und Fragen der Moral in „Weltflucht“ und „De ruina mundi“- Vom Verderben der Welt 231
8.3. Kritik des Christentums sowie des dekadenten Papsttums im poetischen Frühwerk - „De ruina Ecclesiae“ oder „Sang vom Verderben der Kirche“, (1475) 237
8.4. „Poenitentiam agite“! – Buße , Einkehr, Rückbesinnung, Katharsis239
8.5. Savonarolas Humanismus-Kritik und seine Zurückweisung der Astrologie – ist die Philosophie eine Magd der Theologie?  243
8.6. Sozialreformer Savonarola - „De Simplicitate vitae christianae“ - Von der Schlichtheit im Christenleben. 246
8.7. Savonarola setzt politische Reformen durch – Über die demokratische Verfassung in Florenz zum Fernziel der Einheit Italiens  248
8.8. Niccolo Machiavelli und Die Schwermut der Tyrannen250
8.9. Einsamkeit, Kontemplation und rhetorischer Auftritt – Savonarola Volkstribun und Redner nach Cicero?  254
8.10. Einsamkeit und Gesellschaft bei Savonarola255
8.11. Christliche Ethik als geistige Basis der Staatsform – Contra Tyrannis  256
8.12. „Der Tyrann“ trägt „alle Sünden der Welt im Keim in sich“ - Melancholie als Krankheit: Savonarolas Typologie, Definition und Phänomen-Beschreibung des Renaissance-Macht-Menschen und das Primat des Ethos im Leben und im Staat. 259
8.13. Genies des Bösen – Lorenzo de’ Medici und der Borgia-Clan260
8.14. Thomasso Campanellas idealer Gegenentwurf zum Typus des Tyrannen in seiner christlich-kommunistischen Utopie „Città del sole“  263
8.15. Golgatha - Traurigkeit und Verlassenheit in der Todeszelle und auf dem Scheiterhaufen  264
8.16. Hybris und Zuflucht zu Gott – „in Schwermut und voll Schmerz“! 266
8.17. Melancholia - „In te, Domine, speravi“, letzte Einsamkeit und existenzielle Traurigkeit - Hoffnung gegen Melancholie?  268
8.18. Auch Päpste irren! Schweigepflicht, Exkommunikation, Inquisition, Folter – Reformator Savonarola stirbt den Flammentod in Florenz  272
8.19. Giordano Bruno und die Flammen der Inquisition – Der Märtyrer-Tod auf dem Scheiterhaufen wiederholt sich … doch  274
9. Michel de Montaignes Essay „De la solitude“- Das Leben in Abgeschiedenheit zwischen profaner Weltflucht und ästhetischer Verklärung  276
9.1. Süße Weltflucht in den Turm – Melancholie als Habitus276
9.2. War Michel de Montaigne ein Melancholiker?278
9.3. Einsamkeit, ein Wert an sich, ist nie Mittel zum Zweck, sondern immer Selbstzweck. 280
9.4. „Nichts in der Welt ist so ungesellig und zugleich so gesellig als der Mensch“ – Einsamkeit und Gesellschaft 284
9.5. Vanitas - Der Rückzug aus der Gesellschaft ist auch historisch bedingt 289
10. „The Anatomy of Melancholy“ - Der extensive Melancholie-Begriff bei Democritus junior alias Robert Burton  292
10.1. „Elisabethanische Krankheit“ oder „maladie englaise“ – Melancholie als Mode!? Von der Pose zur Posse?  292
10.2. Demokritos aus Abdera – Der lachende Philosoph als Vorbild und Quelle der Inspiration  294
10.3. „sweet melancholy“ - Burtons Verdienste bei der Umwertung und Neuinterpretation der grundlosen Tieftraurigkeit zur „süßen Melancholie“  297
10.4. „Göttliche Melancholie“: „Nothing’s so dainty sweet as lovely melancholy“ - Zur positiven Melancholie-Bewertung vor, neben und nach Burton  302

Teil V: „Einsamkeit“ und Melancholie in der Moderne304

1. Jean-Jacques Rousseau – Alle großen Leidenschaften entstehen in der Einsamkeit. Die Apotheose der Einsamkeit im Oeuvre des Vordenkers der Französischen Revolution304
1.1. Rückzug, „Schwermut“ und „Hypochondrie“304
1.2. „Zurück zur Natur“! im „Discours“ - Plädoyer für das einfache Leben und harsche Gesellschaftskritik. Macht die „Sozialisierung“ den an sich guten Menschen schlecht?306
1.3. Im Refugium der Eremitage von Montmorency: Kult der Einsamkeit – Landleben, Naturgenuss und geistiges Schaffen  308
1.4. „Sanssouci“ – Asyl: Ein Einsamer, Friedrich der Große unterstützt einen anderen Einsamen, den verfolgten Wahlverwandten Jean-Jacques Rousseau312
1.5. „Les Rêveries du promeneur solitaire“ - Träumereien eines einsamen Spaziergängers  314
1.6. Einsamkeit ist im Wesen des Künstlers selbst begründet - «Toutes les grandes passions se forment dans la solitude»! 316
2. Einsamkeit und Gesellschaftskritik im Werk der Französischen Moralisten La Rochefoucauld, Vauvenargues und Chamfort 318
2.1. Rekreation im Refugium – die bücherlesende Einsamkeit des Herzogs La Rochefoucauld  319
2.2. Einsamkeit – Katharsis, Chance und Gefahr 320
2.3. Chamfort - „Vom Geschmack am einsamen Leben und der Würde des Charakters“ - „Man ist in der Einsamkeit glücklicher als in der Welt.“  321
2.4. Abkehr von der Gesellschaft, melancholische Heimsuchungen, Vereinsamung und Menschenhass  323
2.5. „Ein Philosoph, ein Dichter, sind fast notwendig Menschenfeinde“ – Chamforts Rechtfertigung von Misanthropie und Melancholie. 325
3. „Ueber die Einsamkeit“ - Johann Georg Zimmermanns Monumentalwerk aus dem Jahr 1784/85 - Einsamkeit als Lebenselixier – Die Gestimmtheit im deutschen Barock – Inklination zur Melancholie?326
3.1. Von den „Betrachtungen über die Einsamkeit“ zur Abhandlung „Von der Einsamkeit“ – Thema mit Variationen  328
3.2. Die Ursachen von wahrer und falscher Einsamkeit - Müßiggang, Menschenhass, Weltüberdruss und Hypochondrie  330
3.3. „gesellige Einsamkeit“ - eine „contradictio in adjecto“?331
3.4. Aufklärer Immanuel Kant definiert den zur „Melancholie Gestimmte(n)“, „Melancholie“ als „Tiefsinnigkeit“ und die „Grillenkrankheit“ Hypochondrie richtungweisend für die Neuzeit. Exkurs. 333
4. Arthur Schopenhauers „elitäres“ Verständnis von Einsamkeit - nur wer allein ist, ist wirklich frei! 336
4.1. Der Ungesellige - „Er ist ein Mann von großen Eigenschaften.“338
4.2. Die „Einsamkeit ist das Los aller hervorragenden Geister“ - Ist der Mensch von Natur aus einsam? Ist „Einsamkeit“ ein Wert an sich?  341
4.3. Das Sein in der Einsamkeit als existenzielles Problem - Einübung in die zurückgezogene Lebensführung. 343
5. Lenau, Dichter der Melancholie. „Einsamkeit“ und Schwermut (Melancholie) im Werk von Nikolaus Lenau – Anthropologische Phänomenbeschreibung und literarisches Motiv345
5.1 Lenaus Verhältnis zur Philosophie. Entwicklung und Ansätze346
5.2. „Einsamkeit“ und „Vereinsamung“ als existenzielle Erfahrung351
5.3. Nikolaus Niembsch von Strehlenau, genannt „Lenau“ vereinsamt in Wien  352
5.4. Das „melancholische Sumpfgeflügel der Welt“ - Vereinsamt in Heidelberg und Weinsberg. Therapeutikum Philosophie: Lenau setzt der „Seelenverstimmung“ die „Schriften Spinozas“ entgegen! 357
5.5. Amerika – Lenaus Ausbruch in die Welt der Freiheit 358
5.6. Schwermut und Hypochondrie – Therapeutikum: Philosophie und Sarkasmus  359
5.7. „Einsam bin ich hier, ganz einsam. Aber ich vermisse in meiner Einsamkeit nur dich.“  361
5.8. „wahre Menschenscheu“ - „Die Geselligkeit“ „ist ein Laster“ - „Mein Leben ist hier Einsamkeit und etwas Lyrik.“  362
5.9. Die „äußere Einsamkeit“– Vom „Locus amoenus“ zum „Locus terribilis“  364
5.10. Situation und Grenzsituation – präexistenzphilosophisches Gedankengut bei Lenau auf dem Weg zu Karl Jaspers. Exkurs. 366
5.11. „Einsamkeit“ als ontische Dimension - Menschliches Dasein ist nicht Gesellig-Sein – Mensch-Sein bedeutet ein Sein in Einsamkeit. 371
5.12. „Einsame Klagen sinds, weiß keine von der andern“ - Monologische Existenz in dem existenzphilosophischen Gedicht „Täuschung“  372
5.13. In „dunklen Monologen“ - „Jedes Geschöpf lebt sein Privatleben“ - Mitsein in existenzieller Gemeinschaft erscheint unmöglich  375
5.14. „O Einsamkeit! Wie trink ich gerne / Aus deiner frischen Waldzisterne!“ Dionysisch „zelebrierte Einsamkeit“ im Spätwerk  377
5.15. „Der einsame Trinker“ - Das dionysische Erleben der Einsamkeit im Fest 379
5.16. „Fremd bin ich eingezogen/Fremd zieh ich wieder aus“ - Der „Unbehauste“, ein „Fremdling ohne Ziel und Vaterland“  381
5.17. „Nun ist’s aus, wir müssen wandern!“ - In-der-Welt-Sein ist Einsamkeit 383
5.18. Lenaus melancholische Faust-Konzeption - „metaphysische Vereinsamung“. 388
5.18.1. Der „Unverstandene“, das ist der „Einsame“. 388
5.18.2. Endlichkeit und Ewigkeit 390
5. 18. 3. Die Geworfenheit des existenziellen Realisten „Görg“392
5. 18. 4. Das Unbewusste als Antrieb - Die tragisch konzipierte Faust-Figur in Disharmonie mit dem Selbst und in der Uneigentlichkeit 393
5.18.5. Gott ist tot - existenzielle Exponiertheit des metaphysisch Vereinsamten vor Nietzsche und Rilke  397
5.19. Im dunklen Auge – ein „sehr ernster, melancholischer Knabe“„hochgradig zur Melancholie disponiert“  und hinab gestoßen in die „Hohlwege der Melancholie“„Mein Kern ist schwarz, er ist Verzweiflung.“ – Melancholie-Symptomatik und Definitionen der Krankheit bei Lenau  403
5.20. „Lieblos und ohne Gott! Der Weg ist schaurig“ – „Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig.“ „Melancholie“ und „absolute Vereinsamung“ in Lenaus Doppelsonett „Einsamkeit“408
5.21. Der Werte-Kampf in Lenaus Ballade „Die nächtliche Fahrt“ - Von darwinistischer Selektion über den „Kampf um das Dasein“ nach existenzphilosophischen Kategorien zur Ethik des Widerstands im Politischen - Exkurs  424
5.21.1. Wettkampf und Werte-Kampf 431
5.21.2. Lenaus Imperialismus-Kritik in seinem „anderen“ Polenlied433
5.21.3. Ethik des Widerstands - Der Existenz-Kampf der Individuen entspricht dem Souveränitätsstreben der - tyrannisierten - Völker 434
6. Friedrich Nietzsche, der einsamste unter den Einsamen? Absolute Einsamkeit, extreme Vereinsamung und schwärzeste Melancholie  436
6.1. Wesensgemäße Daseinsform und  Schaffensbedingung der Werke der Einsamkeit. 437
6.2. „Also sprach Zarathustra“ - Nietzsches großer „Dithyrambus auf die Einsamkeit“  438
6.3. Strukturen der „Einsamkeit“ in „Also sprach Zarathustra“439
6.4. „Fliehe, Fliehe mein Freund, in deine Einsamkeit!“ - „Wo die Einsamkeit aufhört, da beginnt der Markt.“  442
6.5. Die Auserwählten – Nietzsches kommende Elite: Der „Einsame“ als Brücke zum Übermenschen  444
6.6. Der Einsame – das ist der Schaffende! „Trachte ich nach Glück? Ich trachte nach meinem Werke!“  446
6.7. Nietzsches „Nachtlied“ - das einsamste Lied, welches je gedichtet wurde! 447
6.8. „Oh Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit!“449
6.9. „Jede Gemeinschaft macht irgendwie, irgendwo, irgendwann – ‚gemein’“ – Zum Gegensatz von individuellem Leben in Einsamkeit und gesellschaftlichem Massen-Dasein. 451
6.10. „Einsam die Straße ziehn gehört zum Wesen des Philosophen.“ Fragmentarische Aussagen zur „Einsamkeit“  453
6.11. Therapeutikum Einsamkeit – schlimme und gefährliche Heilkunst! „In der Einsamkeit frisst sich der Einsame selbst, in der Vielsamkeit fressen ihn die Vielen. Nun wähle.“454
6.12. Die „siebente letzte Einsamkeit“ - Nietzsches „Dionysos-Dithyramben“  456
6.13. „Vereinsamt“ – Düstere Melancholie und metaphysische Verzweiflung  458
7. „Einsamkeit“ bei Jaspers und Heidegger - Exkurs463
8. Der „Neue Mensch“ – eine Konsequenz der Einsamkeit? „selbstestes Selbst“ und Apologie des Selbst bei Lenau und Nietzsche - Exkurs  466
8.1. Die Suche nach dem „Humanum“ – Absage an den Irrweg „Übermensch“  468
8.2. Lenaus „Homo-Novus-Konzeption“ nach Amalrich von Bene470
8.3. „Idemität“ und „Konkreativität“ – Der „menschliche Mensch“! Zur Strukturanthropologie Heinrich Rombachs. Exkurs  473

Teil VI: Essays zur Thematik und kleine Beiträge476

9. Stufen der Einsamkeit – Auf dem Weg vom Alleinsein in die Vereinsamung, Melancholie und Verzweiflung – Zur Metamorphose eines anthropologischen Phänomens476
9.1. Von der existenziellen Situation „Einsamkeit“ zum Krankheitsbild „Melancholie“ in der Erscheinungsform „Acedia“ und Hypochondrie  480
9.2. Melancholie als Charakteristikum des genialen Menschen. 482
9.3. Die Phänomene „Einsamkeit“, „Alleinsein“, „Vereinsamung“ und „Melancholie“ („Schwermut“, „Depression“) – im Wandel der Zeiten: Anthropologische Konstanten und Grundbefindlichkeiten des Daseins oder zeitbedingte Entwicklungsphänomene? Zur Begriffsbestimmung. 484
9.4. Strukturen der Einsamkeit - Zum Bedeutungswandel der Begriffe Einsamkeit und Melancholie durch die Zeiten  494
9.5. Existenzbewältigung: Angewandte Philosophie in philosophischer Praxis – Zur Konzeption und Intention der Studien zur Einsamkeit. 497
9.6. Zur Einsamkeit verflucht? – Alleinsein zwischen gesellschaftlicher Pest und segensreicher Schaffensbedingung –Selbsterfahrungen und Autobiographisches503
9.7. Das Existenzmodell „Alleinsein“ zwischen Weltflucht und verklärender Utopie: Abgeschiedenheit, Einkehr, Selbstfindung, Eigentlichkeit - Selbst erfahrene und selbst beobachtete Phänomene – Einsamkeit, ein Zeitproblem?  506
9.8. Ein Einsamer von heute – In memoriam Theo Meyer513


Nachwort: 514
Inhalt: 517
Namenregister: 517
Bibliographie539
Primärliteratur 539
Anthologien, Aufsatz-Sammelwerke zur Thematik: 539
Sekundärliteratur: 539
Bilder-Verzeichnis: 539
Bücher von Carl Gibson539

















Foto: Privatarchiv Carl Gibson

Meeres-Einsamkeiten auf dem See ( "Schwäbisches Meer" ) - erinnert an Guy de Maupassants Werk "Sur l'eau".
I  am sailing - to be free ... Freiheit oder Weltflucht?




Carl Gibson,
Philosoph,
freier Schriftsteller,
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)
innerhalb der Gewerkschaft
ver.di



Donnerstag, 2. Juni 2011

Der "Hahn" in Deutschland und seine "glücklichen Hühner" - Über natürliche Vitalität und Dekadenz-Phänomene in moderner Gesellschaft

Der "Hahn" und seine "glücklichen Hühner" -

Über natürliche Vitalität und Dekadenz-Phänomene in moderner Gesellschaft


Foto: Carl Gibson

Pralles Leben - dem Tode geweiht?


Wo ist der "gallische Hahn" noch in Deutschland aufzufinden?
Auf der Chianti-Flasche als "gallo nero"
oder
auf dem Misthaufen,
dort, wo er hingehört: in die freie Natur?

Wer in "archaischer Gesellschaft" gelebt hat, wird sich wundern, wenn er nach Deutschland kommt:

Die Katze an der Leine,
das Schwein an der Kette,
die Kuh im Stall,
der Vogel im Käfig ...


Überall, wo man hinblickt in unserer "offenen Gesellschaft", liegt die Kreatur in Ketten.


Der Mensch wird frei geboren - und doch liegt auch er überall in Ketten,
auch nach Jean-Jacques Rousseau in dieser neuen Welt der Freiheit.

Wenn der Mensch auf den Hund gekommen ist, dann fällt ihm noch manches ein, was Staunen und Verwunderung auslöst:

High-Land-Rinder in der Tiefebene,
Lamas im Flachland,
Strauße auf üppigem Weideland
und Bergziegen im Tal.

Doch weitaus schlimmer ist das, was sich in den Gefängnisse der Tierwelt vollzieht,
in den Ställen und Käfigen,
wo der - selbst schon unfrei und pervers gewordene Mensch - die Mit-Schöpfung und Kreatur zum
Mittel zum Zweck reduziert
und mit dem Leben so umgeht, wie es der Krone der Schöpfung gerade passt.

Die Krone der Schöpfung der Mensch das Schwein?
Oder
- die Krone der Schöpfung das Schwein der Mensch?


Der moderne Mensch, der schnell satt werden will, um dann anderen "Werten" nachzujagen,
hat das Tier zu einem würdelosen Objekt reduziert,
zu einem Industrie-Produkt,
das er unreflektiert verschlingt,
wenn er das eine oder andere nicht gerade zu seinem Spiel-Objekt reduziert hat wie die Katze und den Hund,
die ihm in verzweifelter Vereinsamung den "Mitmenschen" ersetzen.

Vor einiger Zeit habe ich etwas beobachtet, was andere "wissenschaftliche Köpfe" als "Experiment" einstufen würden:

Eine Gruppe Hähne "in freier Wildbahn"!
Von der Wiege bis zur Bahre.

Das Leben eines Gockelhahn - ein inzwischen sehr seltenes Bild in Deutschland!

Weshalb?

Das pralle Leben ist dem Tod geweiht!
Der Hahn ist nicht wert, dass er lebt!
Aber er ist wert, das er zu Grunde geht!





Ein Gockelhahn aus einem guten Dutzend mit der Gnade des Überlebendürfens.



Foto: Carl Gibson



"Glückliche Hähne" in natürlicher Umgebung
auf der Suche nach Regenwürmen im Komposthaufen des Freizeit-Grundstücks irgenmdwo im Südschwarzwald.
Harmonie wie im Urzustand des Gartens Eden.



Foto: Carl Gibson




Ein stolzer Hahn - philosophisch kontemplativ in die Welt schauend -
abgekehrt, mit einer Prise Weltverachtung:
Sein oder Nichtsein - diese Frage bestimmt der Mensch.




Foto: Carl Gibson



Drei Hähne und ein Huhn im Staub- und Sonnenbad.
Dolce far niente und carpe diem in ora et labora?
Jede "Rivalität" ist fern.



Foto: Carl Gibson


Hahnenkampf inmitten der Natur - ein seltenes Bild.

Da "Hähne" fast nie die Chance zum Überleben erhalten,
sondern gleich nach dem Schlüfpen schon als Kücken abgetöt und in der Regel an andere Tiere im Zoo verfüttert werden,
kennt man ähnliche Bilder nur aus den Wett-Höllen Südostasiens.




Foto: Carl Gibson


Scharren auf dem Mist - Ich scharre, also bin ich!

Scharren ist wesensgemäß für Hühner und Hähne, es sei denn,
sie müssen im Käfig leben und dort im Unglück
Eier produzieren - wie am Fließband,
manchmal bei Kunstlicht sogar zweimal am Tag.



Foto: Carl Gibson



Aufforderung zum Tanz?
Nein, nur eine Auftakt zur Abklärung des Ranges in der Hackordnung

- ist das bei Menschen im Mobbing-Zeitalter viel anders?


Foto: Carl Gibson



Ein stolzer Hahn in Freiheit -
Vitalität und Kraft.


Foto: Carl Gibson



Mutter und Kind - auch in der Tierwelt beginnt alles klein.


Foto: Carl Gibson




Mutter Glucke mit ihrem einzigen Kücken

Foto: Carl Gibson








Aus dem kleinen, wohlbehüteten Kücken sollte bald ein glückliches Huhn werden.



Foto: Carl Gibson




In trauter Gemeinschaft - wer ist "Huhn" und wer ist "Hahn"?

Keiner fragt danach - "glückliches" Leben in unmittelbarer Entfaltung

Foto: Carl Gibson


Eile mit Weile - doch Vorsicht:
Manche Weinberg-Schnecke landet als "Badischen Schneckensuppe" im Kochtopf oder im Magen der vitalen Hühnner und Hähne.




Foto: Carl Gibson


Hühner im Hühnerhof daheim - auch dort ist ein artgerechtes Hühner-Dasein möglich,
zur Freude der Kinder aus der Umgebung,
die oft noch kein eierlegendes Federvieh hautnah erlebt haben.



Der Mensch von heute ist gut beraten, auch nach Konrad Lorenz Tiere zu beobachten und dabei über sich selbst nachzudenken,
über Naturnähe und Naturferne,
über eigentliches Sein,
überinnere Diskrepanzen
und über Dekandenz,
die der Natur-Entfremdung unmittelbar folgt.

Das Leben der Hähne -

Ich hatte die Chance, den gesamten Lebenszyklus der Ungewollten mit zu verfolgen:
vom Schlüpfen aus dem Ei im Brutkasten
bis zum Tod im grünen Gras als Beute der "Beutegreifer".

Die meisten "Hähne" landeten nämlich nicht - wie vielleicht angedacht - im Kochtopf des Gourmet-Kochs zwecks Steigerung der eigenen Lebensfreude,
sondern in den Krallen des "Hühner-Habichts",
der auch Hähne nicht verschmäht.

Während der riesige Mäuse-Bussard den prächtigen Vögel nichts anhaben will,
stürzen sich Habichte und Wanderfalken auf Huhn und Hahn,
hacken sie tot,
rupfen sie etwas,
picken etwas Fleisch aus der wohlgenährten Brust
und fliegen dann wieder davon.

Beutegreifer und Raubtiere jagen, töten, um zu überleben.

Der Mensch, der größte und rücksichtsloseste aller Räuber, unterwirft die Schöpfung,
um zu seinem Zweck zu gelangen!



Wachteln aus der Massenzucht - in Frankreich isst man sie gern, auch die Perlhühner.


Darf der Mensch als Krone der Schöpfung ihm unterlegene Lebensformen unterwerfen und töten,
um selbst zu bestehen?
Ist das Abschlachten von Tieren  legitim?


Buddhisten und Anarchisten wie Leo Tolstoi würden sagen:
Nein,
mit Hinweisen auf die "Schlachthöfe", Schlachtbänke" und "Schlachtfelder".
Christen, Moslems und Juden meinen:

Vielleicht!

Doch bestimmt nicht - wie bisher praktiziert - von der Natur entfernt.

Der Hahn im heutigen Abendland - er hatte einige Vorzüge:

er ist prächtig und schön anzusehen!

Nachteilig ist, dass dieses stolz-vitale Symbol- und Wappentier auch "kräht".

Einige zart besaitete Wanderer ertragen nicht mehr das helle Krähen der Hähne in freier Natur,
ebenso wie sie den Weck-Ruf des Haushahns am frühen Morgen nicht mehr hören können -
wie den Glockenschlag der Uhr im Kirchturm und das Geläut!

Es sind die gleichen Leute, die mit dem Lärm der Straße leben ... und mit dem Grill-Hähnchen aus der Fabrik, dessen Stunden peplant und gezählt sind
und um dessen "Glück" sich keiner kümmert.

Das Glück der Tiere - eine Illusion!?

Wohl dem, der in Deutschland ein Hund ist oder eine Katze!
Dann geht es ihm in der Regel gut!
Doch nimmermehr ein Hahn!

Der Hahn wird mehr und mehr zur Märchenfigur,
zum abstrakten Symbol für etwas,
was sein sollte,
was aber nicht mehr ist.

Wie dekandent sind wir eigentlich?

Todbringende Keime - wie den EHEC-Errger - suchen wir neuerdings in vegetarischern Produkten, statt nachzusehen, wo "Fleisch" degeneriert oder wo gute fleischliche Nahrungsmittel mit Fäkal-Bakterien versucht werden,
nur weil man den "industriellen Prozess" der Nahrungsmittelgenerierung nicht mehr voll im Griff hat!?

Irrwege und Pestilenz resultieren aus der Natur-Ferne des modernen Menschen, der diesem Umstand nicht wahrhaben will
oder nicht wahrhaben kann,
weil ihm vieles nicht bewusst ist.

Die Wisssenschaftsnation eines Koch und Virchow tappt im Dunkeln - ein Hohn auf den gesunden Menschenverstand und auf die Wissenschaftsgläubgkeit unserer Zeit.

Zurück zur Natur?

Die Forderung ist alt - Jeder von uns kann mithelfen, den Weg zu beschreiten,
im Denken und im Handeln.


Foto: Carl Gibson
Hühner im Gemüsegarten -
während des Umspatens schnappen sie nach Regenwürmern und anderen Kleinlebewesen.
So bleiben Hühner gesund und ihre Eier nahrhaft.


Hühner im natürlichen Umfeld






  




Mehr Tierisches aus meiner Feder als Fabel, Parabel und Parodie unter:

http://carl-gibson-satire.blogspot.com/


Hier ein Auszug:

Protest der Tiere

Der Eindruck, den der verwegene Meister der Sophistik hinterlassen hatte, wirkte nach.
Wenn die Welt auch insgesamt schlecht ist,
kombinierte Faustinus,
„dann gibt es immer noch edle Charaktere wie diesen Fuchs, die einen den Glauben an die Tierheit aufrechterhalten lassen.“
Zeichnung: Monika Nickel 

Von der Zuversicht genährt, die andere Zweckoptimismus nannten, trottete der Sylvanier stadteinwärts, um noch mehr von den kolossalen Bauten zu sehen, in welchen die Angehörigen der Nomenklatur und die Kader Partei- und Staatsführung residierten.
Wohin er auch blickte; überall sah er wölfische Kunst strotzend vor Kraft und Freude; und immer wieder weiße Spruchbänder mit blutroter Tinte beschriftet, die von der „neuen Zeit“ kündeten, vom „neuen Tier“ und von der „neuen bestialischen Gesellschaft des Lichts“, wo alle Tiere irgendwann in Eintracht und Harmonie göttergleich und glücklich leben würden – wie die friedfertigen Esel in Concordia.
Utopia war nicht mehr weit entfernt – es musste nur noch vollendet werden.
Die meisten, recht knapp gehaltenen, doch aussagekräftigen Aufschriften erinnerten an die Diktion des Latinischen, das auf den Stamm der Wölfin zurückging. In der Regel wurden sie mit einem emphatischen „Vivat“ eingeleitet, wobei man sich das „Crescat“ und „Floreat“ nur noch hinzu zu denken brauchte.
Dem „Es lebe“ war ein markantes, der ideologischen Ausrichtung des idealen Lichtstaates entsprechendes Schlüsselwort zugesellt, das vereinnahmend und bewusstseinsbildend wirken sollte. Beliebt waren Begriffe wie Lupismus, Das neue Tier, Wolf, Rudel, Art, bestia triumphanss, Partei.
Das mit Abstand am häufigsten eingesetzte, über alles erhabene aber war das heilige Wort „Lupus“ – der Leitbegriff schlechthin, weil Lupus der Führer  als gottgleicher Pharao oder Cäsar alles war – auch das Volk und der Staat.
Keine sprachliche Steigerung reichte aus, um seine Meriten zu beschreiben und seinen Wert allen zu verdeutlichen.
„Ein Glück, dass ihr mich gefunden habt“,
soll Lupus einmal in einer fulminanten Rede gesagt haben.
Er galt als ein vollendeter Redner, großartiger noch als Demosthenes. Und ein ausgekochter Demagoge sei er noch dazu, meinte einmal ein Spötter im Übermut, bevor er für immer im Loch verschwand.

Armee und Volk waren längst auf den  Führer vereidigt worden. Wer sich seinem Befehl auch nur wimpernzuckend widersetzte, wurde standesrechtlich erschossen, auf der Stelle.
Das hehre Endziel duldete keine Meuterei.
Jeder Widerstand war zwecklos.
Wer aber dem Leittier aller Wölfe zujubelte, ehrte sich selbst, auch wenn er von Haus aus ein Esel war.
Ovationen, von den weisen Dichtern und Denkern ersonnen, dann vom allmächtigen Propaganda- Ministerium des Kardinals autorisiert, wurden feierlich im großen „Chorus mysticus“ skandiert, feierlich und ehrfurchtsvoll wie im Gottesdienst. Zustimmungsrufe ertönten monologisch im Dauerrefrain:
„Sieg heil, Hau, Hau!
Ewiges Heil Dir, Erbauer der Zukunft!
Sieg heil, Hau, Hau!
Was deutete sich an?
Ein Fest?
Eine Feier?
Eine Führer- oder Heroenehrung?
Mitten auf dem Heldenplatz hatte sich gerade einige Tiere versammelt, ein stattliches Häufchen Aufrechter. Sie waren nun dabei waren, Transparente auszurollen, bunte Fähnlein zu schwingen und Losungen zu skandieren, deren Wortlaut hier seit langer Zeit nicht mehr vernommen worden war.
Merkwürdige Sprüche hallten durch die Luft, ganz neue Töne!
Faustinus wunderte sich: Kein „1. Mai“ wurde hier angepriesen, kein Tag der Karrenzieher und Steineklopfer, kein „23. August“ als Befreiungstag, als der Tag, an dem Wölfe das Joch früherer Unterdrücker für immer abschüttelten.
Kein schwindsüchtiges „Es lebe“ ertönte, noch das heuchlerische „Hau – Hau“. Nie gehörte Begriffe drangen jetzt an das Eselsohr, verbotene Ausdrücke, die man nur noch in alten Büchern vorfand. Hier und heute aber wurden sie offen in die Welt hinausposaunt, wie eine Selbstverständlichkeit:
„Freiheit! Freiheit! Freiheit, für alle Tiere der Republik!“
röhrte ein Hirsch. Entschlossen führte er den Zug der Protestierende an, der zunehmend lauter wurde. Schafe blökten und Hühner gackerten aufgeregt durcheinander.
„Brüderlichkeit unter allen Geschöpfen der Erde, der Luft und des Wassers!“
schnatterte eine Wildgans aus den Lüften herbeisegelnd.
„Aber nie wieder Gleichheit an sich – Von der Gleichmacherei auf dem Papier haben wir genug!
„Wir fordern aber die strenge Gleichbehandlung aller Tiere in der Gesellschaft und vor Gericht!“
ereiferte sich der Gockelhahn aus voller Kehle loskrähend, überzeugt ein krummes Prinzip durchschaut zu haben. Seine Hofhennen pflichteten ihm bei:
„Nie wieder wollen wir im engen Ghetto leben … und auf Kommando Eier legen müssen … bei Kunstlicht tagsüber und sogar in der Nacht! Natürliches Futter wollen wir, freien Auslauf, eine immergrüne Wiese und einen großen Misthaufen zum Scharren.“
Die Wölfe hatten auf ihrem blinden Weg zur Bestie, die artgerechte Lebensweise ihrer Mitgeschöpfe vollkommen aus dem Blickfeld verloren, auch in der Erwartung, alle Tiere aus Wald und Flur würden sich den Zielsetzungen der Lupisten unterwerfen und kritiklos an der „Gesellschaft des Lichts“ weiterbauen, auch ohne ausreichende Nahrung, warme Behausung und ein Quäntchen Lebensglück.
Jetzt machten die Vielgeplagten ihrem Unmut Luft – und sie begehrten auf, weitaus mutiger als Faustinus es je für möglich gehalten hätte. Noch war die „Würde“ den Tieren nicht abhanden gekommen; noch wehrten sie sich gegen Unrecht, auch wenn es nicht allzu viele waren.
„Wir wollen künftig nicht mehr zum Schafott geführt werden wie willenlose Kreaturen“,
rief ein Hammel.
„Wir sind nicht länger Opfertiere, sondern freie Geschöpfe mit Lebensrecht wie jede andere Kreatur auch!“
„Es sollen auch nie wieder Hetzjagden veranstaltet werden in diesem Staat, nur zum Vergnügen der Wölfe!
Wir wollen nicht weiter verfolgt werden wie Schwerverbrecher!“
meldete sich ein Wildschwein laut grunzend zu Wort.
Zahlreiche Rehe waren erschienen, auch Gämsen und Steinböcke, einst freie Tiere, die hoch oben im Fels wohnten zwischen Schnee und Eis und dorthin sprangen, wohin ihnen kein Wolf folgen konnte.
Allen voran schritt immer noch der Vierzehnender. Ein weißes Pergament zierte sein Geweih, ein Freibrief aus alten Tagen, eine Art „Magna Charta der Tiere“ in Schriftform, wo Freiheiten und Rechte aller Kreatur aus Wald und Flur mit schwarzer Tusche festgeschrieben waren für alle Ewigkeit. Sie stammte aus den Tagen Noahs und war gleich nach überstandener Sintflut für alle Zeiten aufgesetzt worden. Wie die Legende berichtete, war damals ein Regenbogen am Firmament erschienen als Zeichen des Bundes zwischen der Kreatur und den großen Vater aller Tiere, der im Himmel wohnte. Der Löwe als Kaiser und Stellvertreter des Schöpfers auf Erden hatte einst den Pakt besiegelt. Und das göttliche Recht, das Naturrecht war, wirkte fort, auch wenn wölfische Setzung es aufzuheben suchte.
„Wo die Wahrheit regiert, gibt es auch Gerechtigkeit für alle … und freie Selbstbestimmung!
Tierrechte für alle!“
 mischte sich ein Wisent ein, der noch die Zeiten vor der Neuen Ordnung erlebt hatte. Dann stimmte er dumpf muhend eine Weise ergreifende Weise an, die er als verfolgter Illegalist zusammen mit liberalen Wölfen in Kerkerhaft gesungen hatte, damals, als Geier und Esel noch das Land regierten:

„Tiere, hört die Signale,
Auf zum letzten Gefecht,
Die Internationale,
Erkämpft der Tiere Recht“


Zeichnung: Monika Nickel

Andere mehr und weniger begnadete Sänger fielen ein. Die Stimmen vereinten sich nun zu einem großen Chor der Eintracht wie damals in England, als die Tiere schon einmal auf die Barrikaden gegangen, um in Rückbesinnung auf ihre angestammten Tierrechte der Ausbeutung ein Ende setzten.
Damals auf der „Farm der Tiere“ scheiterte das Harmoniestreben der Vielen am Egoismus einzelner, am „Allzutierischen“ von wenigen. Aber auch heute war die Welt nicht viel gerechter, schon gar nicht im Wolfsstaat, wo die - offiziell abgeschaffte - Ausbeutung des Tieres durch das Tier immer noch in Blüte stand, um mit ihr als Mittel das ideale Werk zu vollenden. In Wirklichkeit herrschten Ungleichheit, Diskriminierung und Unrecht in allen Lebensbereichen. Göttlichem Recht war auch hier und jetzt kein Raum gegeben.

Dies aber war eine friedfertige Kundgebung.
Ungeachtet ernster Entschlosssenheit, waren alle Minen der Protestierenden von Zuversicht erfüllt. Die Tiere glaubten an die Macht der Veränderung über Dialog und Einsicht.
Was sprach gegen eine ideologische Neuausrichtung,
gegen eine Reform des Systems innerhalb des Systems
und gegen eine „Gesellschaft mit tierischem Antlitz“?

Einige Tiere hielten Rosen in den Pfoten, Klauen und Krallen, andere wedelten mit Ölzweigen wie an Palmsonntag. Über den Häuptern stiegen weiße Tauben auf mit der Botschaft:
„Friede allen Tieren!
Friede ist möglich!
Friede muss sein!“
Die Verfolgten, die Betroffenen, die Verfemten, die Geschundenen und Geplagten, sie alle strömten hier zusammen, friedfertig, doch entschossen, ihre Meinung und Haltung frei kundzutun. Freie Meinungsäußerung, das war ein heiliges Recht in der Demokratie! Und wenn der Wolfsstaat keine Diktatur war, dann musste das freie Wort gestattet sein, jedem und öffentlich.

Zeichnung: Monika Nickel

Faustinus staunte. Verbrüderungsszenen überall. Hyänen, Dingos und Schakale, Schlangen, Krokodile und Warane, ein Eisbär und ein Dachs, ein scheuer Lux und sogar eine Wildkatze, ferner Ratten, Mäuse, Heuschrecken, Vogelspinnen und andere sonst gefürchtete Mitgeschöpfe hatten sich unter die Menge gemischt; sie umarmten sich nun so gut es ging mit den sonst schon friedlich und zahm wirkenden Tieren aus der Farm.
Dann bildeten alle Geschöpfe einen großen Reigen und tanzten in trauter Einheit den „Tanz der Aussöhnung“, so als ob jede künftige Gefahr für immer gebannt sei und das „goldene Zeitalter“, in dem alle Tiere gleich glücklich und zufrieden waren, jetzt anbrechen würde.
Dionysischer Taumel erfüllte den Platz.
Alle tanzten hier freiwillig. Sie jubelten so laut, wie es den Stimmen nur möglich war. Das war Freiheit und Glück zugleich!
„Siehe da“,
sagte Faustinus zu sich selbst:
„Wer frei ist, ist auch glücklich!“
Doch dann traute es seinen Augen nicht ganz. Mitten in der Menge stand ein alter Wolf, mit entschlossenem Blick ein Transparent entrollend, auf dem schwarz auf weiß in großen Lettern geschrieben stand:
„ICH KLAGE AN!“
Faustinus hatte den Alten mit dem zerzausten Fell zunächst für einen Schäferhund gehalten, für einen alten Kombattanten aus den Zeiten der Illegalität, der von seinen wölfischen Genossen längst vergessen worden war, nachdem er seine Schuldigkeit der neuen Gesellschaft gegenüber getan hatte. Doch nein, es war wirklich ein Wolf – als Untertan … in der Schar der Geschundenen?
Also gab es auch gute Wölfe, aufrichtige Wölfe, die noch den Mut und die Kraft aufbrachten, ihre freie Meinung öffentlich kundzutun?
Jetzt gab es kein Halten mehr. Der Atmosphäre des natürlichen Protests ausgeliefert und ergriffen vom Gefühl der tierischer Solidarität rannte der junge Sylvanier auf den fast schon greisen Wolf zu, um ihm zu helfen, das schwere Holz zu tragen:
„Komm, Alter, reich mir das Banner! Auf meinen starken Schultern will es vorantragen in den Kampf. In diesem Zeichen werden wir siegen!“
Vom Augenblick berauscht, konnte Faustinus kaum noch vernünftig denken. Emotionen bestimmten sein Tun, ethische Impulse, die tiefer verankert waren als der kühl berechnende Verstand.
Nikodemus hatte es ihm einst vorgemacht …
und bald darauf Konstantin, der große Kaiser: „In hoc signo vinces“
Ohne eine Antwort abzuwarten, entriss er dem gebrechlichen Wolf die mächtige Holzstange und stürmte damit auf das Mausoleum zu wie ein Patriot in der Entscheidungsschlacht. Sein Leben kümmerte ihn nicht weiter. Glücklich fühlte es sich schon jetzt, wo er für eine höhere Sache eintrat – und für eine gerechte.
Ja, es kämpfte sich nicht schlecht … für Freiheit und das Recht. Romantisch war er und ein Altruist, einer, der für Ideale in den Kampf zog und ins Abenteuer. Die Gefährten folgten ihm mit „Hurra“!

„Vorwärts, in den Kampf!
 Auf Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ …
röhrte der Hirsch, als er am Esel vorbei zog. Die große „Symphonie der Freiheit“ auf den Lippen, strömten die anderen Tiere hinterher. Aufruhr war das, Rebellion, nein Revolution!
„Wacht auf, Verdammte dieser Erde!“
schrie ein protestierender Braunbär, der seiner Republik längst den Rücken gekehrt hatte.
„Wacht auf, Wölfe!“
übertönte ihn ein anderer, versuchend seine trägen Landsleute aus dem Dauerschlaf zu wecken. Die Clique, der neue Adel der Macht, der Seinesgleichen vergessen hatte, sollte und konnte nun weggefegt werden.

Doch gerade als die große Freiheit schon zum Greifen nah erschien, erfüllte Maschinenpistolengeratter die Luft. Die ersten Tauben stürzten. Getroffen fielen sie zum Boden herab und aus ihrem weißen Gefieder tröpfelte blutrotes Blut.
Prätorianer aus der nur wenige Schritte entfernten Kaserne marschierten jetzt auf: Ein Kampftrupp aus Jungwölfen und Schäferhunden, Kämpfer, die gleich nach ihrer Geburt isoliert und in unterirdischen Zwingern im Geist der Spaltung, des Hasses und des absoluten Gehorsams erzogen worden waren. Sie hatten keinen Sinn für Ungesetzlichkeiten. Sie gehorchten nur Befehlen.
Als ein bestimmter Pfiff ertönte, das Signal zum Eingreifen, stürzten sich die Bestien mit Macht auf die Protestversammlung am Heldenplatz, dorthin, wo gerade die freiheitliche Versöhnungssymphonie polyfon und doch im harmonischen Einklang zum Himmel schallte, zu jenen Sphären hin, wo der guter Vater wohnte, der ihnen die Magna Charta gereicht hatte. Aus der kämpferischen Kundgebung wurde schnell ein Gemetzel - eine Schlacht, die bald zum einem Abschlachten verkam, zu einer Vernichtung des Nächsten, wie es nur noch die Menschen der Welt vorgemacht hatten in den Kriegen früherer Äonen.
Die Helfershelfer des Staates, die Bluthunde, hatten den strikten Befehl, einzugreifen und die nicht angemeldete Kundgebung niederzuschlagen, sehr ernst genommen. Zunächst wurde wild in die Menge der Protestierenden geschossen. Schuldige und Unschuldige konnten später immer noch voneinander getrennt werden, spätestens an der Pforte zum Himmelreich.
Die Prätorianer, längst eine eigene Macht im Staat, feuerten aus allen Rohren. Kollateralschäden, das hatte man ihnen früh eingetrichtert, mussten hingenommen werden – ganz nach dem alten Motto: „Wo gehobelt wird, dort fallen Späne!“
Die Aufrührer hätten das wissen können: der omnipotente Staat schützte sich selbst. Schließlich repräsentierte er den obersten Wert in der Gesellschaft, weil er dies so dekretiert hatte in weiser Anlehnung an Machiavelli.
Wer sich dagegen auflehnte, ob Mastschwein oder Schakal, das konnten nur offensichtliche „Anarchisten“ sein; als solche waren sie bekämpfungswürdig und wurden auch mit aller Macht und Gewalt bekämpft, wie überall auf der Welt. Schließlich stand dem Staat das Gewaltmonopol zu –und nur dem Staat.

Nicht auf das Erringen der Macht kam es an, sondern auf die Machterhaltung. Dazu waren alle Mittel Recht, auch Terror, Willkür nach innen – und über allem die Angst.
Dionysische Entrückungen und musikalisch-tänzerischer Taumel, die jede Angst verfliegen ließen und in wilde Erhebungen mündeten, die der Autorität der Wölfe gefährlich werden und die staatliche Ordnung zersetzten, durften auf keinen Fall toleriert werden.
Also wurde jeder Protest im Keim erstickt, der musische wie der profane, noch bevor sich die ketzerischen Stimmen und Gesten im Land ausbreiteten. Aus Funken durfte kein Feuer entstehen, schon gar kein Flächenbrand. „Wehret den Anfängen“, auch da!

Das Toben der Vergeltungsschlacht ging weiter. Mächtige Tiere stürzten im Kugelhagel zu Boden. Selbst der riesige Auerochs wankte und sank in sein Blut. Der himmelwärts aufsteigende Gesang verhallte bald im Schrecken.
Wehgeschrei überall. Bunte Federn flogen durch die Luft. Aus mehreren Richtungen stürmten verstärkende Verbände herbei. Die Prätorianergarde des Führers, allesamt feurige Jungwölfe und Kampfhunde aller Art, wütete am ärgsten. Sie stürzten sich ungehemmt auf die protestierenden Tiere, entrissen ihnen die Spruchbänder mit den ungewöhnlichen Aufschriften, trieben sie auseinander und legten die widerspenstigsten unter ihnen in Ketten.
Aus friedlichen Hirtenhunden, die einst die Schafherden beschützten, aus flinken Jagdhunden, die einst brav apportierten, waren durch Zucht und Züchtung entfesselte Bestien geworden, tierische Mordmaschinen, die im Blutrausch die Besinnung verloren.
Einige Thesen des schnauzbärtigen Machtphilosophen waren wieder gründlich missverstanden worden. Oder wurden sie absichtlich pervertiert?
Mord – das war eine moralische Kategorie, von der die Täter noch nichts gehört hatten. Alle positiven Formen der Ethik und Moral war ihnen während der Ausbildung enthalten worden. Sie kannten nur das Ethos des blinden Gehorsams und der Vernichtung.
Wo diese Prätorianer auftraten, wütete der Tod.

Der Esel war mittendrin – und zum ersten Mal in seinen Leben kämpfte Faustinus wirklich. Wolfszähne flogen durch die Luft. Einer übermächtigen weißschwarzen Dogge hatte er gerade noch einen saften Huf verpasst, als ihn ein kräftiger Jungwolf an der Kehle packte. Der Würgegriff schürte ihm den Atem ab und funkelnde Sterne erschienen am Firmament. Nur den eigenen Stern vermisste er jetzt sehr.
Halb ohnmächtig dahintaumelnd und ohne recht zu wissen, was um ihn geschah, schleppte sich der junge Heros mit letzter Kraft aus dem Getümmel und blieb kraftlos am Straßenrand liegen. Was noch verschwommen vor seinen Augen abrollte, glich der traumatischen Hetzjagd im Wald. Das war die Autodynamik des Mordens aus Mordlust, was hier abrollte.
Während ein Trupp artentfremdeter Bernhardiner die ersten Leichen wegschaffte, wurden die anderen Ökopazifisten in einen vergitterten Ochsenkarren gedrängt, um dann, auf engsten Raum zusammengepfercht, öffentlich zur Schau gestellt durch die Hauptstadt gefahren zu werden.
Vergeltung war jetzt angesagt, Abbitte und Sühne.
Ein Ochse wurde als abschreckendes Beispiel an den Pranger gestellt und öffentlich mit glühenden Zangen gefoltert.
Selbst den stolzen Hirsch traf Acht und Bann. Mit anderen Besiegten wurde er in schwere Ketten gelegt und dann – wie der Leichnam des besiegten Paris - durch die elysischen Straßen geschleift. Unter den Augen ohnmächtiger Untertanen wurden viele Anarchisten und Ökofaschisten schließlich zum Richterstuhl gefahren oder gleich zum Schafott, nicht anders als einst die Katzen und Hexen des Mittelalters. In seltenen Fällen, wenn Gnade waltete und wölfische Milde, landeten einige Rebellen im Loch – die stärksten unter ihnen in Einzelhaft.

Nach getaner Arbeit riegelten die Ordnungskräfte der Wolfsrepublik das Viertel hermetisch ab, so, dass kein Entkommen mehr möglich war. Faustinus war für tot gehalten und deshalb bisher kaum beachtet worden. Als es sich nun wieder aufbäumte, instinktiv versuchend sich in letzter Sekunde aus dem Staub machen und sich zu retten, warf ein aufmerksamer Häscher sein Netz aus, fing ihn wieder ein und zurrte in mit Stricken fest wie Gulliver. Er war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.
Kurz darauf war eine Razzia angesagt. Jedes Tier, welches das abgeriegelte Karree verlassen wollte, wurde aufgefordert, seinen Ausweis vorzuzeigen und zu begründen, weshalb es sich gerade jetzt hier befinde, an einer Stätte des Aufruhrs und nicht brav an seinem Arbeitsplatz oder zumindest daheim hinter dem warmen Ofen.
Alle arbeitsfähigen Tiere mussten den sofortigen Nachweis führen, ob, wo und wie sie einer regulären Arbeitstätigkeit in einem Staatsbetrieb nachgingen oder dass sie sonst wie das Wohl des Wolfsstaates förderten. Arbeitsscheue, entartete Künstler, Drückeberger und Taugenichtse aller Art sollte es ihm Wolfsstaat nicht geben. Leistung war gefragt, die selbst ein Nichts noch für den Staat erbringen sollte, der alles war und dessen Inkarnation der Überwolf war, das Genie der sieben Berge, der Titan aller Titanen.
Künstler, die keine Wolfsstatuen in Erz gossen, Poeten, Tonsetzer, die keine Lobeshymnen auf den Führer dichteten oder komponierten und keine Führerporträts idealisierend retuschierten, waren genauso unbrauchbar wie reaktionäre Denker und andere Parasiten, die auf ihre Weise die Interessen der neuen Gesellschaft des Lichts untergruben. Sie alle wurde als nutzlose Intellektuelle eingestuft, als destruktive Elemente, die angeblich den gesunden Volkskörper der Wolfsgesellschaft schwächten.
Wer verdächtig war, dieser parasitären Kategorie Tier anzugehören, wessen Mähne oder Ziegenbärtchen zu lang war oder wessen Fell als zu bunt erschien, wurde auf der Stelle verhaftet und im „kurzen Prozess“ abgeurteilt.
Wer sich nicht fügte, anarchisch aufmuckte oder gar Widerstand leistete, der wurde sofort standesrechtlich erschossen.
Federnlesen war die Sache der Prätorianer nicht.

Solche Wirklichkeiten der lupistischen Gesellschaft waren neu für Faustinus – aber sehr real.
„Was sucht ein unreifer Waldesel aus Siebenbergen in der Wolfsschanze und dazu noch hier, am Mausoleum der Wölfe?“
schnauzte der kommandierende Tribun des Absperrkommandos Faustinus beim ersten Verhör an, nachdem festgestellt worden war, dass der graue Besucher, der noch grün war hinter den langen Ohren, von sehr weit her kam, genau aus der Enklave Eselsburg, im hintersten Winkel Sylvaniens.
Der Platz, wo die Annalen der Wolfsgeschichte in Stein gemeißelt und auf Eselshaut verewigt nachgelesen werden konnten, galt als nationales Heiligtum und war für Nichtwölfe tabu. Esel oder Schweine wurden hier nicht geduldet.
Und nun hatten sich gar alle Feinde des Vaterlandes, Taugenichtse, Parias und Ungeziefer aller Art, gerade an diesem sakralen Ort zusammengerottet, um ihr Gift zu verspritzen!?
Bereits das freche Entweihen der Kultstätte rechtfertige ein Durchgreifen.
„Ich bin in vertraulicher Mission unterwegs“,
versuchte sich der Esel halbherzig aus der Affäre zu ziehen, nachdem er sich vom größten Schock erholt hatte, in der Hoffnung den nicht gerade hellen Wolf genauso zu überlisten wie die beiden Rottweiler an der Pforte des Ministeriums. Doch diesmal sollte es anders kommen:
 „Werft ihn in einen Kastenwagen und ab mit ihm ins Loch“,
hörte er den ärgerlich dreinblickenden Riesenwolf gerade noch befehlen, als er von zwei niederen Schergen an der langen Mähne gepackt und in das Gefährt geschubst wurde. Der Sicherheitsoffizier hatte sich nicht täuschen lassen. Das zerzauste Eselsfell und die Bissspur an der Kehle sprachen Bände.
Also fügte sich Faustinus in sein Schicksal und duckte sich in eine Ecke des fahrenden Gefängnisses. Diesmal war er vom Glück verlassen. Ein rosarotes Schweinchen folgte gleich quiekend hinterher durch die Luft geschleudert und hart landend wie ein Kartoffelsack. Es war ein androgynes Wesen und hatte für sexuelle Emanzipation eintreten wollen und für die Abschaffung eines bestimmte Paragrafen im Strafgesetzbuch, doch nicht für sodomitische Ferkeleien. Geknickt sah sich Faustinus um. Im dunklen Innenraum des Fahrzeugs jammerten bereits andere Tiere vor sich hin; mehrere Bergziegen, ein Schafsbock, drei Graugänse, zwei Feldhasen und eine seltene Tibetkatze, alles Angehörige der Minderheiten im Land, die sich dem spontanen Protestzug aus innerer Überzeugung angeschlossen hatten. Gegen Rassismus hatten viele aus ihren Reihen aufstehen wollen, gegen Fremdenfeindlichkeit und somit gegen negative Phänomene, die mehr deutlich als latent, viele Bereiche der egalitären Wolfsgesellschaft bestimmten.
Selbst ein Wolf war längst kein Wolf mehr, wenn er falschen Ideologien und Wertvorstellungen nachhing. Oder wenn ihm ein denunziatorischer Nachbar so etwas unterstellte.
Der zunehmend realistischer werdende Faustinus staunte still; denn manche dieser Tiere, die in der Gesellschaft vorschnell als ängstlich, feige und schwach eingestuft wurden, hatten mit ihrem Protest großen Mut bewiesen und somit die Vorurteile widerlegt.
Dann kam es, wie befürchtet. Während die einen kurz darauf abtransportiert wurden, um in einem entlegenen Teil der Stadt in einen finsteren Bau geworfen zu werden, wurden andere gleich nach ihrer Verhaftung einem Wolfsrichter vorgeführt, der ihnen den „schnellen Prozess“ machte. Hochverrat. Todesstrafe.
Umgegend wurden sie standesrechtlich exekutiert – und die Familie durfte die Rechnung für die Patrone begleichen. Machtpolitischer Zynismus wurde das hinter vorgehaltener Pfote genannt; und solche Praktiken waren im Wolfsstaat üblich – aus Gründen der Staatsraison nach innen.
Hart durchgreifen war die Devise. Ein berüchtigtes Führerdekret reichte aus, um jedes verdächtige Tier innerhalb von Augenblicken zu verurteilen, fern von Recht und Gesetz. „Lebenslange Zwangsarbeit“, lautete das Urteil in vielen Fällen; denn Arbeitskräfte wurden beim Aufrüsten dringend gebraucht, in den Waffenfabriken, am Kanal und beim Mauerbau. Die Todesstrafe wäre in vielen Fällen das mildere Urteil gewesen.


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Carl Gibsons neues Buch
zur kommunistischen Diktatur in Rumänien -
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im Februar 2013 erschienen.

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Alle Rechte für das Gesamtwerk liegen bei Carl Gibson.
Eine Neuauflage des Gesamtwerks wird angestrebt.
Carl Gibson

Allein in der Revolte, Buchrückseite


Fotos von Carl Gibson: Monika Nickel

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